3. Oktober 2016

Nobelpreis Tag eins: Medizin

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und am Mittwoch wird mein Blog nun schon zwei Jahre alt. In diesem zweiten Jahr habe ich gelernt, dass es weniger wichtig ist, wie viel man schreibt, sondern das Schreiben muss Spaß machen, man sollte sich keinen Druck machen und nicht darauf schauen, was populär ist, sondern seine eigenen Trends setzen. Und obwohl ich immer mal wieder kleinere und größere Pausen einlege, bin ich immer noch mit ganzem Herzen dabei und jedes Mal furchbar nervös, bevor ich den »Veröffentlichen« Button drücke.

Und wunderbarerweise fällt mein Bloggeburtstag immer in die Nobelpreiswoche und so ist es fast schon eine kleine Tradition geworden, im Laufe der Woche die sechs NobelpreisträgerInnen vorzustellen. Es ist eine Woche, in der ich ganz viel lerne und es ist eine Woche, in der die eigentlichen und wichtigen Stars im Vordergrund stehen - die WissenschaftlerInnen, die uns heilen, die uns helfen, die unser Leben vereinfachen und die uns den Glauben an die Menschheit ein bisschen zurück geben. Diese Woche gehört ihnen!










Wie seit vielen Jahren werden die sechs zu verleihenden Nobelpreise in einer festgelegten Reihenfolge verliehen. Traditionell wird am ersten Montag im Oktober der Gewinner des Nobelpreises für Medizin/Physiologie bekannt gegeben. In diesem Jahr ging dieser an den Japaner Yoshinori Ohsumi, für die Entdeckung der Mechanismen der Autophagie.

Autophagie setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern »auto« (selbst) und »phagein« (essen) zusammen. In den 1960 entdeckten Forscher, dass Zellen ihre einzelnen Bestandteile bzw. Proteine zerstören können, indem sie um diese einen Membran schließen und anschließend mit Hilfe eines Lysosomes entsorgen. Obwohl das Phänomen schon seit einiger Zeit bekannt war, konnte Yoshinori Ohsumi erst in den 1990 dieses mit Experimenten an Hefe nachweisen.

»Ohsumi's discoveries led to a new paradigm in our understanding of how the cell recycles its content. His discoveries opened the path to understanding the fundamental importance of autophagy in many physiological processes, such as in the adaptation to starvation or response to infection. Mutations in autophagy genes can cause disease, and the autophagic process is involved in several conditions including cancer and neurological disease.« (Quelle: Nobelpreis)

















1988 startete Ohsumi sein eigenes Labor und entschlüsselte 1993 mit seinen Arbeitskollegen 15 Gene, die für die am Recycling einzelnen Zellbestandteile zuständig sind und entdeckte nach und nach die Mechanismen, die bei dieser Arbeit greifen. Das Recycling lässt sich heutzutage in zwei Schritte einteilen: Zunächst werden die kranken bzw. kaputten Bestandteile in Bläschen eingeschlossen. Anschließend werden sie von Lysosomen umschlossen, die Enzyme enthalten und die defekten Bauteile in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen - diese können nun wieder genutzt werden. Wichtig ist die Autophagie für mehrere Bereiche: Sie setzen Energie für hungernde Zellen frei, können uns vor Krankheitserregern schützen und das Altern verlangsamen, indem sie defekte Proteine beseitigen.(vgl. Spiegel Online)

Interview mit dem ausgezeichneten Nobelpreisträger

CLICK TO LISTEN! ”I was surprised. I was in my lab”. Yoshinori Ohsumi on being awarded the 2016 #NobelPrize in Physiology or Medicine. ”Even now we have more questions than when I started”, says Yoshinori Ohsumi on his research field autophagy. He is very surprised and in a bit of shock that he has been awarded the Prize, and says that he will come to Stockholm in December to receive it. The interviewer is Adam Smith, Chief Scientific Officer at Nobel Media.
Posted by Nobel Prize on Montag, 3. Oktober 2016

30. September 2016

205 Museen in 205 Wochen: Das Neue Museum (001)

Als ich im Neuen Museum war, musste ich unweigerlich an das Louvre Museum denken. Beide Museen vereint die Größe, die Verbindung von Altem und Neuen und ein Manko bzw. eine Besonderheit: Sowohl das Berliner, als auch das Pariser Museum sind weltweit vor allem durch ein einziges Ausstellungsstück bekannt - die Büste der Nofretete und das Gemälde der Mona Lisa. Obwohl beide bemerkenswert und wunderschön sind und die meisten BesucherInnen wahrscheinlich wegen ihnen ins jeweilige Museum kommen, sollte man sich die großen Sammlungen nicht entgehen lassen.

Ich habe mir vorgenommen einmal in jedes der circa 205 Museen Berlins zu gehen und ich konnte mir keinen besseren Start vorstellen, als dieses wunderbare Museum. Ich bin begeistert, verliebt und mehr als entzückt - das war zwar mein erster Besuch, aber sicher nicht mein letzter.




Das Neue Museum ist Teil des Weltkulturerbes der Berliner Museumsinsel und wurde zwischen 1843 und 1855 nach Plänen Friedrich August Stüler erbaut. Zu dieser Zeit beinhaltete das Museum eine umfangreichere Sammlung als heute, angefangen bei ägyptischen Kunst bis hin zu Werken aus der Renaissance.

1939 wurden viele Artefakte auf Grund des Beginns des Zweiten Weltkrieges ausgelagert und das Museum wurde geschlossen. Während des Krieges wurde das Gebäude schwer beschädigt, das zentrale Treppenhaus wurde fast vollständig zerstört. In der Nachkriegszeit wurde das Museum weitestgehend vernachlässigt. Erst Ende der 80er Jahre begann man das Gebäude zu sichern, um es vor einem vollständigen Abriss zu bewahren.

1997 erhielt der britische Architekt David Chipperfield den Auftrag, dem Museum seinen alten Glanz zurück zu geben. Historische Fassadenteile und Wände wurden konserviert und mit neuen Elementen verbunden. 2009 - 70 Jahre nach der Schließung, wurde es wieder eröffnet und beinhaltet jetzt das »Ägyptische Museum und die Papyrussammlung« und das »Museum für Vor- und Frühgeschichte«

Das Museum lebt seine Geschichte, sie ist in vielen großen und kleinen Teilen erkennbar und so lohnt sich ein Besuch schon allein, um die unglaubliche Architektur und das Ergebnis der Renovierung zu bestaunen.













Schon beim Betreten durch die beiden großen Eingangstore konnte mich das Museum in den Bann ziehen und ließ mich über drei Stunden nicht mehr los. Im Zentrum steht die neu konstruierte Treppenhalle, die alle Stockwerke und Abteilungen verbinden - sehr übersichtlich und ein Verlaufen ist unmöglich.

Die alten originalgetreu erhaltenen Räume finden sich vor allem im rechten Flügel auf den oberen Etagen. Beim Ansehen der Elemente habe ich mich sofort ins 19. Jahrhundert zurückgesetzt gefühlt. Wandmalereien mit Motiven aus der griechischen Mythologie, unterschiedlichste farbenfrohe Fliesenmosaike und verzierte, goldene Querstreben haben mich durch die Räume wandeln lassen.


Im Souterrain und in den linken Flügeln der einzelnen Etagen finden sich viele neu gebaute Räume, die sich jedoch nicht nur an die vorhandene Architektur angepasst haben, sondern in denen versucht worden ist, alte Materialen mit moderner Technik zu verarbeiten.

Ein absolutes Highlight war für mich hierbei der »Griechische Hof«, in dem das ursprüngliche Konzeptes des Innenhofs erhalten worden ist, aber durch eine Glasdecke die Räume nun Bestandteil des Museums sein können und vor Regen geschützt sind. Ausgehend vom Souterrain bis hin zur zweiten Etage kann dieser nun aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden.

Parallel dazu wurde ein»Ägyptische Hof«entworfen, in dem der Boden des Erdgeschosses nach unten gesetzt worden ist und nun einen Blick über zwei Etagen bietet. Gleichzeitig wurde in der ersten Etage über dem kleinen Hof ein weiterer Boden konstruiert, der als Empore dient, einen oberen Abschluss des Hofes bildet und eine kleine zusätzliche Ausstellungsfläche hinzugekommen ist.

Die Architektur des Museums bleibt trotz allem zurückhaltend und gibt den Stücken gleichzeitig ihren alten Glanz zurück. Ich mag die Verbindung von alt und neu besonders gerne - die Geschichte eines Gebäudes sollte nicht in Vergessenheit geraten und wird durch moderne, durchgedachte und clevere Elemente nicht nur erweitert, sondern verleiht ihm einen besonderen Charme und Glanz.













Dennoch sollte man sich die beiden Ausstellungen nicht entgehen lassen. Nach dem Betreten des Museums helfen sehr freundliche MitarbeiterInnen sich im großen Gebäude zu orientieren und zu erklären, wie das Museum thematisch aufgebaut ist. Man hat die Möglichkeit seine Tasche und seine Jacke einzuschließen oder abzugeben und sich einen Audioguide ohne weitere Kosten zu leihen.

Mit diesem um den Hals und einem Lageplan in der Hand, machte ich mich zunächst auf die ägyptischen Ausstellungsstücke anzusehen. Särge, Grabbeigaben, Alltagsgegenstände und Schmuck bilden dabei den Mittelpunkt der Ausstellung. In den einzelnen Räumen liegen weitere Informationsblätter aus, teilweise laminiert und teilweise zum Mitnehmen, sodass man sich weiteres Wissen anlesen kann.

Berühmt, wie die Mona Lisa, ist natürlich die Büste der Nofretete - sie allein hat einen einzigen Raum für sich und darf leider nicht fotografiert werden. Ich habe sie während des Umbaus im Kulturforum am Potsdamer Platz betrachtet und sie ist wirklich wunderschön. Interessant war in diesem Zusammenhang auch die vorangegangene Büste mit Korrekturangaben. Noch mehr in den Bann gezogen hat mich aber die Steintafel, auf der sie mit ihrem Mann abgebildet ist.

Für mich macht einen großen Teil der Faszination für diese Kultur aus, dass sie so weit in der Vergangenheit liegt und dass die Artefakte vor 2000 bis 5000 Jahre entstanden sind. Spannend fand ich auch die Abteilung zu den Papyrusrollen und zu den Grabkammern. Auch kann man sich darüber informieren, wie Ausgrabungen im 19. Jahrhundert logistisch abliefen und welchen Einfluss Heinrich Schliemann auf die Erforschung mehrerer Kulturen gehabt hat.












Nachdem ich durch die Hälfte des Museum gegangen war, spürte ich leider schon ein bisschen, dass ich müde wurde - es ist eben nicht gerade klein. Dennoch wollte ich auch einen Eindruck gewinnen vom zweiten im Haus ansässigen Museum. Angefangen bei der Steinzeit bis hin zum Mittelalter kann man sich verschiedenste Exponate ansehen. Auch hier sind Alltagsgegenstände, Grabbeigaben, Rüstungen und Schmuck im Fokus, hinzu kommen jetzt aber auch Zahlungsmittel und Kleidung.

Besonders faszinierend und für mich komplett neu war der Berliner Goldhut, der sich nicht nur durch eine ungewöhnliche Form auszeichnet, sondern auch extrem gut erhalten ist. Leider war es im Raum sehr dunkel, sodass ich aufs Fotografieren verzichtet habe. Sehr interessant waren auch die Ausgrabungen, die man im Laufe der Jahrhunderte in Berlin und Umgebung gefunden hat - von Keilen bis hin zu Stücken der Berliner Mauer.

Im Unterschied zum Ägyptischen Museum hat man in diesem Bereich des Museums viel mehr Informationstexte direkt an den Exponaten, was ich eigentlich ein bisschen besser finde. Dennoch habe ich die meisten Texte gar nicht bis grob gelesen, da mein Gehirn einfach schon zu viele Informationen aufgenommen hatte.

Nach mehreren Stunden langsamen Museumslaufens musste ich erst mal was essen und trinken. Wer seine Stullen zu Hause vergessen hat, kann natürlich auch gerne eine Kleinigkeit direkt im Museumscafé zu sich nehmen. Anschließend ging es für mich nach draußen in die wunderbar warme Herbstsonne.

Nach dem Besuch habe ich das Gefühl, dass ich einen groben Überblick über das Museum habe. Sollte (und ich werde) wiederkommen, werde ich mich auf einen kleinerern Teil konzentrieren, um diesem gerecht zu werden. Vielleicht bin ich dann nicht mehr so umgehauen von allem...ein perfekter Start in mein Projekt. 204 Museen müssen noch besucht werden.



Adresse
Neues Museum
Staatliche Museen zu Berlin
Museumsindel Berlin
Bodestraße 1 - 3
10178 Berlin

Öffnungszeiten & Eintrittspreise
(Stand Sept. 2016)
Montag bis Sonntag 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
12 € normal und 6 € ermäßigt (inklusive Audioguide)
(Museumsinselticket: 18 € normal und 9 € ermäßigt)

Weitere Fotos findet ihr bei Instagram!

26. September 2016

Montagsfrage: »Welches Buch hast du zuletzt aufgrund der Rezension eines anderen Buchbloggers gelesen?«

Vor zwei Monaten gab es eine Montagsfrage, in der ich nicht nur die eigentlichen Frage nach dem Konsum von Leseproben nachgegangen bin, sondern auch die (nicht gestellte) Frage beantwortet habe, wie ich meine Lektüre auswähle. Kurz zusammengefasst: schöne Cover und Klappentexte, Bibliotheksbesuche, Verlagsvorschauen und Freundinnen. Rezensionen bzw. Empfehlungen von Bloggern und YouTubern spielen in meinem Leseleben eher eine untergeordnete Rolle.

Noch vor einiger Zeit habe ich sehr viele Videos zum Thema Literatur auf YouTube gesehen. Rezensionen fand ich dabei meistens eher uninteressant, da die meisten der Booktuberinnen einen ganz anderen Lesegeschmack hatten als ich. Auch hatte ich oft den Eindruck, dass Rezensionen einfach den Inhalt wiedergaben und nichts über den Stil oder die Besonderheit des Buches verrieten - was das Wichtige für mich ist. Dennoch mochte/mag ich Videos, in denen ungelesenen oder neuen Bücher gezeigt werden...

...aber es wiederholte sich extrem, alle lasen das Gleiche und ich verstand den Grund dafür überhaupt nicht. Mein Geschmack war eben doch ein bisschen anders und ich war sehr lange auf der Suche nach einer Booktuberin, die sich ein bisschen von der Masse absetzt. Und ja, nach langer Zeit habe ich sie gefunden und ich mag ihre Empfehlungen sehr gerne. Von BuchGeschichten steht schon viel auf meiner Liste, aber gelesen habe ich davon noch nichts, aber »Meine geniale Freundin« ist schon in der Bibliothek bestellt.

Nichtsdestotrotz habe ich meine Liste angesehen und es gab ein paar Werke, die ich ohne Empfehlung von Booktuberinnen bzw. ohne den darum entstandenen Hype auf keinen Fall gelesen hätte und im Nachhineinen haben mir alle drei gefallen:

Im Januar habe ich »Raum« von Emma Donoghue gehört, ganz außergewöhnlich gut gelesen von Matthias Brandt. Grund hierfür war nicht nur, dass der Roman verfilmt wurde und ich davor noch das Hörbuch hören wollte, sondern dass es im letzten Jahr oft unter den Monatsrückblicken vieler Lesebegeisterten war und die Begeistung groß war.
»Der Marsianer« von Andy Weir, den ich im letzten Winter gelesen habe, entdeckte ich bei einem Video über Neuzugänge auf dem Kanal von Luna Wood. Ich wusste sofort, dass dieses Buch etwas für mich ist und es hat mich nicht enttäuscht.
Als drittes habe ich auf dem Kanal von booksandquills das Sommerbuch »We were liars«  von E. Lockhart im letzten Herbst gesehen und wollte sofort wissen, was das Rätsel und die überraschende Wende beinhaltet. Es war sehr mysteriös und hatte ein Ende mit dem ich nicht gerechnet hätte.

Ach ja, gerade heute Morgen habe ich wieder intensiver angefangen Videos zu schauen. Dafür habe ich meine Abonnentenliste erst einmal ordentlich aussortiert und freue mich jetzt wieder auf Empfehlungen, die meinem Geschmack entsprechen. Denn - das Leben ist zu kurz für blöde Bücher.



21. September 2016

Neue Aktion: 205 in 205



Berlin (und Umgebung) hat mehr als 200 Museen - im letzten Jahr wurden diese von rund 16 Millionen Menschen besucht. Allein 3,8 Millionen Besuche fallen auf die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Grund hierfür mag sein, dass die dazugehörigen Einrichtungen äußerst zentral liegen und deshalb gut zu erreichen sind. Und glaubt man den Zahlen, sind mehr als die Hälfte dieser BesucherInnen Touristen und keine dauerhaft in Berlin Wohnenden. Wir Einheimischen gehen selten bis gar nicht ins Museum.

Wenn ich selbst darüber nachdenke, wie oft ich ich in den ersten acht Monaten 2016 im Museum war, fällt meine Zahl relativ klein aus. Ich würde sogar sagen, dass es weniger als fünf waren. In meinem ganzen Berliner Leben war ich von den über 200 Museen höchstens in 25 und viele Besuche sind schon über 10, manche sogar übe 15 Jahre, her. Hinzu kommt, dass ich viele Museen überhaupt nicht kenne - ich war noch nie im Deutschen Historischen Museum, noch nie im Bodemuseum und auch nicht im Filmmuseum.

Und eigentlich gehe ich wirklich gerne ins Museum - ich liebe die Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau, spaziere gerne entlang der Gedenkstätte Berliner Mauer und schaue mir die Dinosaurier und den Archäopteryx im Naturkundemuseum an. Aber mehr als diese drei wenigstens einmal im Jahr zu besuchen, mache ich halt auch nicht. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier - was im Besonderen auf mich zutrifft. Ich gehe immer in die gleichen Museen und habe das Gefühl, dass ich dadurch die Vielfalt der Berliner Museumslandschaft verpasse und ich mir gleichzeitig Wissen versage.

So kann und wird es nicht weitergehen! Ich will mich weiterbilden und in Museen gehen, in denen ich noch nie war und die mich eigentlich nicht interessieren. Jedes Museum hat eine Chance verdient, manche sogar eine zweite oder dritte. Und so habe ich eine Liste mit Hilfe der offiziellen Stadtseite Berlins zusammengestellt, in der alle 205 aktuellen Museen, Gedenkstätten, Archive und Sammlungen aufgeführt sind. Und der Zufall wählt für mich jeweils das nächste zu besuchende Museum aus.

Mein Ziel ist es wenigstens einmal alle 205 Museen zu besuchen und dabei ungefähr vier Mal im Monat zu gehen. Das würde bedeuten, dass ich dafür rund vier Jahre brauchen würde. Ob ich das schaffe, ist natürlich nicht garantiert, aber versuchen möchte ich es allemal.

Vielleicht möchte mich ja auch die eine oder der andere begleiten, in jedem Fall freue ich mich schon sehr auf die kommenden Museen.

20. September 2016

Montagsfrage: »Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher und aus welchem Grund?

Als ich die heutige Monatgsfrage gelesen habe, hatte mein erster Gedanke nichts mit Literatur zu tun, sondern mit einer anderen Kunstform, die ich schon immer äußerst gerne mochte und noch sehr viel mehr seit ich bei Netflix bin: Ich dachte an eine bestimmte Serie, die fast nur aus Antagonisten besteht - House Of Cards. Fast alle Charaktere sind berechnend, egoistisch und herzlos - es ist ein Vergnügen ihnen bei all diesen Intrigen zuzusehen. Denn man weiß nie, was als nächstes passieren wird und wie sich die Personen verhalten werden. Wer düstere anspruchsvolle Serien mag, sollte sie sich ansehen!

Der Antagonist ist eigentlich als Gegenspieler zum Protagonisten gedacht und erhält dadurch seine Daseinsberechtigung, gemocht wird diese Rolle meistens nicht. Und damit spielt eben ganz stark »House of Cards«. Beim Zuschauen ist man verwirrt, warum trotz all der Taten Francis Underwood oder auch Walter White (»Breaking Bad«) interessant und sympathisch erscheinen. Beide sind gleichzeitig Protagonisten und Antagonisten - aus diesem Grund sind die beiden Serien vielleicht auch so erfolgreich. Sie folgen eben keinem Schema, keinem Stereotypen und haben dazu einfach noch eine exzellente Geschichte zu erzählen.

Bei den Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, gibt es leider nicht solch starke Antagonisten. Dennoch gibt es einige Beispiele, in denen mich die vermeintlichen Gegenspieler überrascht haben:


Als erstes sind mir »Sophie, der Tod und ich« (Thees Uhlmann) und »Die Bücherdiebin« (Markus Zuzak) eingefallen, da in beiden Büchern der ultimative Antagonist eine große Rolle spielt: der Tod. Zwar haben die Werke keine gemeinsame Thematik, aber dennoch ist der Charakter des Todes in beiden so unglaublich liebe- und verständnisvoll und sympathisch. Zwangläufig denkt man über vieles nach und die Bücher haben mich lange nicht losgelassen.


Einen ganz anderer Gegner habe ich im Buch »Der Marsianer« von Andy Weir gefunden: den Mars. Natürlich kann ein Planet eigentlich kein Antagonist sein, weil er nicht mit Absicht und Zielen handelt. In diesem Fall ist dies aber ein bisschen anders, weil er den Protagonisten mehr als einmal fast getötet hätte. Da die Raumfahrtforschung unglaublich interessant für mich ist, habe ich in diesem Buch ganz viel vom Antagonisten gelernt und er hat es Mark Watney wirklich nicht leicht gemacht.


Zuletzt ist mir dann noch die Reihe von Philipp eingefallen, die leider viel zu wenig Beachtung bekommt, obwohl sie nicht nur spannend ist, sondern auch sehr philosophisch: »His Dark Materials« (Der Goldene Kompass, Das Magische Messer, Das Bernstein-Teleskop). Im ersten Teil gibt es eine sehr hinterlistige und gemeine Frau, die der Protagonistin schwer zusetzt - ich mag sie nicht lieber als Lyra, aber sie ist wirklich gut gezeichnet. Wenn ihr es lesen solltet, bitte schaut im Nachhinein nicht den Film. Der ist die schlimmste Literaturverfilmung, die ich je gesehen habe.

...und Snape, Dolores Umbridge und Voldemort - aber darüber muss ich ja nicht sagen!



18. Juli 2016

Montagsfrage: »Bist du in einem Buchclub?«

Montags bin ich immer ganz besonders aufgeregt, weil eine neue Frage von Buchfresserchen erscheint. Es ist fast schon ein kleines Ritual geworden: nachsehen, freuen, nachdenken und dann schreibe ich meine (meist langen) Gedanken zum Thema nieder. So kann die Woche immer wunderbar beginnen....

...vor einiger Zeit bat sie uns, die Beantworterinnen, dann Fragen rund um das Thema Literatur einzureichen und das habe ich natürlich auch sehr gerne getan. Und so schaue ich heute ganz entspannt auf die Seite und siehe da, eine meiner eingereichten Fragen soll heute beantwortet werden: Bist du in einem Buchclub?

Ja, ich bin in einem privaten Buchclub und ich liebe diesen sehr! Vor circa fünf oder sechs Jahren haben zwei Freundinnen und ich beschlossen zusammen Bücher zu lesen, jeder sollte zwei literaturbegeisterte Menschen dazu einladen. Zum ersten Austausch kamen dann natürlich viel mehr Leute, über Ecken hatten noch Freunde von Freunden davon gehört. In der ersten Runde haben wir »Lieblingsbücher« gelesen und beim ersten richtigen Buchclub waren wir schon ein bisschen weniger Menschen. Das erste Buch war »Schachnovelle« von Stefan Zweig, was ich mir ausversehen in Großdruck gekauft habe.

Relativ schnell ist die Anzahl an Mitgliedern gesunken, obwohl wir uns bis heute nur einmal im Monat treffen. Das fand ich am Anfang wirklich sehr schade, aber mehrere Jahre lang waren wir ein fester Kern mit sechs Mitgliedern. Seit rund zwei Jahren haben wir auch ein siebtes festes Mitglied in unserer Mitte.

Da wir relativ wenig sind, schaffen wir circa ein literarisches Thema in einem Jahr. Wir treffen uns immer bei derjenigen, die das Buch ausgesucht hat - manchmal gibt es Kuchen, manchmal gibt es Sushi und meistens gibt es Alkohol. Wir haben nämlich eine Regel: Wer das Buch nicht zu Ende gelesen hat, muss Sekt mitbringen. Wenn man es nicht schafft, dann ist das aber auch nicht so dramatisch - das Leben kommt eben manchmal in die Quere. Da wir das alle schon so lange machen, sind wir (wenn nicht schon vorher) auch Freunde geworden und verbringen gerne Zeit miteinander. Das Buch steht im Mittelpunkt, aber dann driften wir oft am Ende noch ab, unterhalten uns oder spielen was - lustig ist es immer.

In der gesamten Zeit haben wir schon 50 Bücher mit rund 165.00 Seiten gelesen. Nach der ersten Runde haben wir unter anderem Bücher zu den Themen »Verfilmte Bücher« (und die Filme waren größtenteils furchtbar), »Nobelpreisträger«, »Kinder- und Jugenbücher« und »Überschätzte Bücher« gelesen.

Wir sind uns heute immer noch nicht einig, ob Michel Houellebecq ein guter Schriftsteller ist, haben uns gestritten, ob man Thomas Manns »Der Tod in Venedig« wirklich gelesen haben muss und fragten uns einige Male warum die Übersetzungen manchmal so grauenvoll sind, dass sie den Lesefluss so stören, dass man keine Lust mehr hat.

Aber wir waren uns auch einig, wie toll »Der goldene Kompass« ist, wie langweilig »Die Liebe in Zeiten der Cholera« zu lesen ist (obwohl die Kurzgeschichten wundervoll sind) und dass Jenny Erpenbeck es einfach mal so richtig drauf hat, zu schreiben.

Meistens fange ich zu spät an zu lesen, weil ich zwischendurch andere Bücher lese, aber erstaunlicherweise schaffe ich es dann meistens rechtzeitig fertig zu werden...

...aktuell lesen wir in der Runde »Autorinnen« ein Roman von Simone de Beauvoir und ich müsste langsam mal anfangen.

Ich mag diesen Austausch einfach sehr gerne, weil ich zum einen neue AutorInnen kennen gelernt habe, die ich sonst niemals gelesen habe. Zum anderen konnte ich meinen Horizont erweitern und ich habe Bücher aus meinem Regal gelesen, die schon Jahre ungelesen standen und ich nie wusste, wie toll diese sind.

An dieser Stelle muss ich einmal meinem Buchclub für die vielen tollen Bücher, für die Muffins und die Diskussionen danken: Merci E., J., J., L., N., V.!

Rechte: Buchfresserchen