18. Juli 2016

Montagsfrage: »Bist du in einem Buchclub?«

Montags bin ich immer ganz besonders aufgeregt, weil eine neue Frage von Buchfresserchen erscheint. Es ist fast schon ein kleines Ritual geworden: nachsehen, freuen, nachdenken und dann schreibe ich meine (meist langen) Gedanken zum Thema nieder. So kann die Woche immer wunderbar beginnen....

...vor einiger Zeit bat sie uns, die Beantworterinnen, dann Fragen rund um das Thema Literatur einzureichen und das habe ich natürlich auch sehr gerne getan. Und so schaue ich heute ganz entspannt auf die Seite und siehe da, eine meiner eingereichten Fragen soll heute beantwortet werden: Bist du in einem Buchclub?

Ja, ich bin in einem privaten Buchclub und ich liebe diesen sehr! Vor circa fünf oder sechs Jahren haben zwei Freundinnen und ich beschlossen zusammen Bücher zu lesen, jeder sollte zwei literaturbegeisterte Menschen dazu einladen. Zum ersten Austausch kamen dann natürlich viel mehr Leute, über Ecken hatten noch Freunde von Freunden davon gehört. In der ersten Runde haben wir »Lieblingsbücher« gelesen und beim ersten richtigen Buchclub waren wir schon ein bisschen weniger Menschen. Das erste Buch war »Schachnovelle« von Stefan Zweig, was ich mir ausversehen in Großdruck gekauft habe.

Relativ schnell ist die Anzahl an Mitgliedern gesunken, obwohl wir uns bis heute nur einmal im Monat treffen. Das fand ich am Anfang wirklich sehr schade, aber mehrere Jahre lang waren wir ein fester Kern mit sechs Mitgliedern. Seit rund zwei Jahren haben wir auch ein siebtes festes Mitglied in unserer Mitte.

Da wir relativ wenig sind, schaffen wir circa ein literarisches Thema in einem Jahr. Wir treffen uns immer bei derjenigen, die das Buch ausgesucht hat - manchmal gibt es Kuchen, manchmal gibt es Sushi und meistens gibt es Alkohol. Wir haben nämlich eine Regel: Wer das Buch nicht zu Ende gelesen hat, muss Sekt mitbringen. Wenn man es nicht schafft, dann ist das aber auch nicht so dramatisch - das Leben kommt eben manchmal in die Quere. Da wir das alle schon so lange machen, sind wir (wenn nicht schon vorher) auch Freunde geworden und verbringen gerne Zeit miteinander. Das Buch steht im Mittelpunkt, aber dann driften wir oft am Ende noch ab, unterhalten uns oder spielen was - lustig ist es immer.

In der gesamten Zeit haben wir schon 50 Bücher mit rund 165.00 Seiten gelesen. Nach der ersten Runde haben wir unter anderem Bücher zu den Themen »Verfilmte Bücher« (und die Filme waren größtenteils furchtbar), »Nobelpreisträger«, »Kinder- und Jugenbücher« und »Überschätzte Bücher« gelesen.

Wir sind uns heute immer noch nicht einig, ob Michel Houellebecq ein guter Schriftsteller ist, haben uns gestritten, ob man Thomas Manns »Der Tod in Venedig« wirklich gelesen haben muss und fragten uns einige Male warum die Übersetzungen manchmal so grauenvoll sind, dass sie den Lesefluss so stören, dass man keine Lust mehr hat.

Aber wir waren uns auch einig, wie toll »Der goldene Kompass« ist, wie langweilig »Die Liebe in Zeiten der Cholera« zu lesen ist (obwohl die Kurzgeschichten wundervoll sind) und dass Jenny Erpenbeck es einfach mal so richtig drauf hat, zu schreiben.

Meistens fange ich zu spät an zu lesen, weil ich zwischendurch andere Bücher lese, aber erstaunlicherweise schaffe ich es dann meistens rechtzeitig fertig zu werden...

...aktuell lesen wir in der Runde »Autorinnen« ein Roman von Simone de Beauvoir und ich müsste langsam mal anfangen.

Ich mag diesen Austausch einfach sehr gerne, weil ich zum einen neue AutorInnen kennen gelernt habe, die ich sonst niemals gelesen habe. Zum anderen konnte ich meinen Horizont erweitern und ich habe Bücher aus meinem Regal gelesen, die schon Jahre ungelesen standen und ich nie wusste, wie toll diese sind.

An dieser Stelle muss ich einmal meinem Buchclub für die vielen tollen Bücher, für die Muffins und die Diskussionen danken: Merci E., J., J., L., N., V.!

Rechte: Buchfresserchen

4. Juli 2016

Montagsfrage: »Liest du Leseproben, um zu entscheiden, ob du ein Buch liest oder entscheiden nur Titel und Klappentext?«

Meine kurze Antwort auf die Montagsfrage würde lauten »weder noch« oder »kommt drauf an« - da ich aber noch nie das Talent für das Schreiben von kurzen knappen Blogbeiträgen besessen habe, folgt nun eine kleine Abhandlung, wie ich Bücher auswähle:
 

Papierleseprobe ziehe ich bei meiner Entscheidung über meine nächste Lektüre gar nicht zurate. Das mag vor allem daran liegen, dass es von den meisten Bücher, die mir zusagen, gar keine solchen kleinen Heftchen gibt. Im letzten Jahr auf der Buchmesse habe ich den Eindruck gewonnen, dass es vor allem von Kriminalgeschichten, Thrillern und Liebesromanen solche Proben gibt. Zwar lese ich schon einmal ein Buch aus einem der drei Genres, aber eben sehr selten und dann meist auf Empfehlung oder von mir schon bekannten Autoren.


Ein bisschen anders sieht es bei Leseproben im Internet aus. Diese verwende ich meistens bei illustrierten Büchern und Graphic Noveln. Wenn ich bspw. durch einen Literaturpodcast auf solch ein Buch gestoßen werde, macht es für mich immer Sinn sich den Zeichenstil, das Lettering u. Ä. anzusehen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Der Titel und auch der Klappentext spielen schon eine wesentlichere Rolle - werden aber oft von Verlagsmitarbeitern bzw. Übersetzern ausgesucht. Dies bedeutet auch, dass beide Dinge in die Irre führen können und der eigentliche Inhalt sehr wenig mit beiden Dingen zu tun hat. Aber natürlich, wenn der Titel schon meinen Interessen entspricht oder toll klingt, dann lasse ich mich gerne beeinflussen.

Da wir gerade schon bei »Äußerlichkeiten« sind, die im Auftrag des Verlags gestaltet werden und nicht vom Schreibenden: das Cover ist mir sehr wichtig. Ich mag es eher schlicht und zurückhaltend - mein aktuelles Lieblingscover ist »Fallensteller« von Saša Stanišić. Es ist so schön, dass ich es sogar als Hintergrundbild auf dem Smartphone habe. Ich liebe es einfach durch eine große Buchhandlung Berlins zu schlendern und mir Bücher mit wunderschönen Covern anzusehen. So habe ich auch schon einige Werke gelesen, nur auf Grund des Covers.

Ein große Hilfestellung bei der Entscheidung für zukünftige Lektüren sind, natürlich und wie sollte es anders sein, die zahlreichen Bibliotheken Berlins. Hier werden oft Neuerscheinungen präsentiert und ich nehme regelmäßig welche mit nach Hause und (ach doch) lese rein. Hinzu kommen noch ein paar Literaturpodcasts, deren Empfehlungen ich schon einige Male gefolgt bin und schon wunderbare Bücher entdeckt habe.

In den letzten Jahren habe ich vermehrt Verlagsvorschauen angesehen und darüber einige Sachen entdeckt. Wenn ich so darüber nachdenke, steht in diesen aber meist auch eine Art Klappentext - der Einfluss ist dementsprechend doch größer als gedacht. Es ist immer aufregend, wenn im Frühling und im Herbst die neuen Vorschauen erscheinen und man unbekannte Autoren entdeckt und sich zeitgleich freuen kann, dass Lieblingsautoren neue Bücher veröffentlichen. Hier spielen die Newsletter von den einzelnen Verlagen auch eine immer größere Rolle...

...und die Verlage selbst gewinnen in meinem Leseleben immer mehr an Bedeutung. Als ich noch nicht gebloggt habe, war mir nicht so bewusst, welcher Autor wo verlegt ist, dies hat sich geändert. Ich kann fast schon sagen, dass ich ein paar Lieblingsverlage habe und mich dort vermehrt nach neuer Lektüre umschaue.

Die Entscheidung ist vielleicht auch immer ein bisschen von allem und von nichts beeinflusst. Manchmal weiß man auch gar nicht mehr, aus welchem Grund man was gelesen hat, aber man hatte Spaß!

Rechte: Buchfresserchen

27. Juni 2016

Montagsfrage: »Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen fiktionalen und nonfiktionalen Büchern, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?«

Ich bin eine Romanleserin - war ich schon immer und vermutlich werde ich auch eine bleiben. Aus diesem Grund habe ich auch relativ wenige nicht fiktionale Bücher und diese stehen hauptsächlich ungelesen in meinem Regal. Das Verhältnis ist wahrscheinlich 10 Prozent nicht Fiktionales zu 90 Prozent Fiktionales.

Eigentlich komisch, dass ich so wenig aus dem nicht fiktionalen Bereich habe, denn er umfasst unglaublich viele Genres - u.a. populärwissenschaftliche Sachbücher, Bildbände, Tagebücher, Biografien, Quellensammlungen und hochwissenschaftliche Bücher. Wie ich schon einmal in einer Montagsfrage erwähnt habe, besitze ich auch einige Bildbände, ein paar Reiseberichte und eine kleine Auswahl an Büchern aus der Bundeszentrale für politische Bildung.

Tagebücher habe ich noch nie gelesen, ich habe immer eher versucht mich dem Menschen mittels ihrer Werke, Filme oder Kunst zu nähern. Außerdem finde ich diese meist schwierig zu lesen, da, bedingt durch die Form, es zusammenhangslos geschrieben ist und ich mich sehr konzentrieren müsste. Ebenso geht es mir bei Biografien - das Werk sagt für mich viel mehr aus. Wahrscheinlich liegt das auch stark daran, dass ich komplett im 21. Jahrhundert angekommen bin und ich mit dem Smartphone jederzeit ins Internet gehen kann und Biografien heute immer verfügbar sind.

Und dann habe ich noch eine ganz eigene »Leidensgeschichte« mit Sachbüchern: Ich mag nämlich überhaupt keine Fußnoten. Entweder stehen sie auf der Seite ganz unten oder, was ich noch viel schlimmer finde, sie befinden sich im Anhang. Es gibt Bücher, die versteht man ohne Fußnoten und andere bleiben ohne ein Mysterium - das weiß man vor dem Lesen aber nie. Außerdem habe ich einen riesengroßen Respekt vor solchen Büchern und fühle mich immer ein wenig klein und auch ein wenig dumm. Ich weiß, dass es nicht rational ist, aber so ist es nun einmal.

Aber was mir bei solchen schwierigen Sachbüchern immer hilft, ist, sie nicht zu lesen, sondern als Hörbuch zu hören. Denn damit wird die Frage mit dem Umgang der Fußnoten schon vorher für mich getroffen und ich kann es mehr genießen. Vielleicht sollte ich demnächst doch mal »Die Schlafwandler« von Christopher Clark hören...

Zum Glück gibt es aber auch Sachbücher, die sehr populärwissenschaftlich geschrieben worden sind und auf Fußnoten verzichten, da sie eine breitere Masse ansprechen wollen. Die mag ich auch ganz gerne und ich habe in diesem Jahr schon zwei gehört. Beide waren ganz wunderbar, ich finde aber das es durch das Vorlesen einfach sehr viel gewinnt.

Wahrscheinlich habe ich auch nicht so viele nicht fiktionale Bücher, weil ich eine große Anhängerin des Konzepts Podcast bin. Ich liebe vor allem Reportagen, medienkritsiche Magazine, Literatursendungen und natürlich (momentan mein Liebling) »No Such Thing As A Fish«. Täglich höre ich einzelne Sendung - mein Ausgleich zu den Romanen.

Rechte: Buchfresserchen

23. Juni 2016

Buch: »Die Ernte des Bösen«

Rechte: Blanvalet
Drückt mir einen Krimi in die Hand und ich werde niemals wissen, wie es ausgeht - bis jetzt!

Beim Lesen von »Die Ernte des Bösen« habe ich das allererste Mal in einem Leben eine Kleinigkeit geahnt, die sich später als richtig rausstellte. Ich war ein bisschen stolz, denn sonst bin ich oft die einzige Person, die von der Auflösung überrascht ist. Einige mögen jetzt einwerfen, dass es doch gerade die Überraschung ist, die einen Krimi ausmacht und das Buch damit an Spannung verliert - finde ich in keinster Weise. Zum einen möchte ich mit meiner Theorie richtig liegen und zum anderen halte ich die Spannung nur sehr schwer aus. Außerdem wusste ich nicht, wie es ausgeht - mir kam nur eine Person sehr komisch vor und ich fragte mich, ob diese wohl im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall stand. Ich kann also noch viel besser in meinen Ermittlungen werden.

Dass ich nun etwas geahnt habe, lag wahrscheinlich auch an meinem gestiegenen Interesse an der Kriminalliteratur. Bis vor wenigen Jahren habe ich noch gar keine Krimis gelesen, jetzt greife ich zwar selten (zwei bis drei Mal im Jahr) dennoch regelmäßig zu einem. Dies liegt auch daran, dass Joanne K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith nun schon zum dritten Mal den Privatdetektiv Comoran Strike und dessen Assistentin/Privatdetektivn in Ausbildung Robin Ellacott ermitteln lässt - und bei der Autorin der weltberühmten »Harry Potter« Reihe fühle ich mich als Leserin schon seit über 15 Jahren sehr gut aufgehoben.

INHALT + EINDRUCK

Nachdem im ersten Teil der angebliche Selbstmord eines Models aufgeklärt wurde (»Der Ruf des Kuckucks«) und im zweiten das mysteriöse Verschwinden eines Schriftstellers mitsamt seines brisanten Manuskriptes gelöst wurde (»Der Seidenspinner«), rückt jetzt die Detektei selbst in das Kreuzfeuer.

Comorans Assistentin Robin will in wenigen Wochen heiraten und lässt sich aus diesem Grund Pakete direkt ins Büro liefern. So ist sie in keinster Weise überrascht, als ihr ein Kurier vor dem Büro ein längliches Paket überreicht. Allerdings befinden sich in diesem keine Servietten, keine Tischdecken und auch keine Schuhe - sondern ein abgetrenntes Frauenbein. Ihr Chef Comoran Strike kann sogleich vier Menschen nennen, die ihn so sehr verachten, dass sie solch ein grausames Geschenk schicken würde. Einer unter ihnen ist ein bekannter Mafioso, auf den sich die Ermittlung der Polizei konzentrieren. Comoran stürzt sich jedoch auf die anderen drei Verdächtigen, die in seiner Vergangenheit eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Und was ist eigentlich, wenn das Bein nicht von jemanden aus Comoran Strikes Vergangenheit geschickt hat, sondern aus Robin Ellacotts?

Auf knapp 700 Seiten versuchen die beiden den Kreis der Verdächtigen immer weiter einzugrenzen und begeben sich auf Spurensuche in die Vergangenheit, vor allem von Strike. Das Besondere bei diesem dritten Teil ist allerdings, dass nicht nur darüber berichtet wird, wie die Ermittlungen voran schreiten, sondern man bekommt auch ein Blick ins Innenleben des Absenders des Beins - natürlich anonym. Unweigerlich fragt man sich, ob die Protagonisten diesen schon einmal getroffen und befragt haben. Der Absender ist ein stiller Beobachter der Ermittlungen, kommt immer näher und wartet geduldig auf seinen Zug - sehr unheimlich.

Der Aufbau des Romans ist dem der Vorgängern sehr ähnlich - dialoglastig, viele Charaktere und Geheimnisse vor dem Publikum. Aber wenige werden diesen unabhängig von den ersten zwei lesen (was durchaus möglich ist) und so weiß man ein bisschen, wie der Stil sein wird. Und wie bei den Vorgängern macht es sehr viel Sinn sich eine Liste mit den vielen vorkommenden Personen anzulegen.

Allerdings habe ich mich sehr schwer getan mit diesem Teil und habe sehr lange daran gelesen. Immer wieder habe ich andere Bücher und Hörbücher eingeschoben und es brauchte insgesamt fast zwei Monate es zu beenden. Die Ausgangssituation hat mir im Grunde gefallen und auch die Ermittlungen. Allerdings war alles noch langsamer und hingezogener als bei den Vorgängern, dafür war der Schluss umso abrupter und die letzte Szene war sehr Klischee beladen. Für mich einfach zu viel.

In diesem Fall stand die beiden Hauptcharaktere selbst im Mittelpunkt und wir haben etwas über ihre Vergangenheit gelernt. Das war zeitgleich spannend, den beiden ein bisschen mehr Tiefe zu geben, aber auch langweilig, da kein großes Geheimnis gelüftet werden musste. Es war von Anfang an klar, dass jemand dieses Bein aus Rache geschickt hat und das hat sich im Laufe des Buches nicht geändert bzw. bestätigt. Keine richtige Spannung wurde aufgebaut und es war sehr arm an überraschenden Wendungen. Vielleicht war es auch wirklich weniger ein Krimi, als mehr eine Charakterstudie der beiden Protagonisten. Ich bin mir nicht so sicher, ob es dafür 670 Seiten gebraucht hätte.

Was mich allerdings am meisten störte, war das Privatleben von Robin. Ich habe ein bisschen den Eindruck gewonnen, dass ihre Hochzeit zu sehr im Mittelpunkt stand und ihr Charakter und noch mehr der Charakter ihres Verlobten immer mehr aus der Zeit fallen und keine Tiefe haben. Sie ist schon selbstbewusster als zu Anfang der Reihe, doch immer noch möchte ihr Mann lieber eine Hausfrau/Mutter, ist eifersüchtig auf Strike und verlangt regelmäßig, dass sie aufhört dort zu arbeiten - zu gefährlich. Dieses Frauenbild mag ich überhaupt nicht - abwartend und geduldig. Ich möchte auch nicht, dass die Reihe zu einem klassischen Frauenroman mit kriminalistischen Anteilen verfällt und mich damit vergrault. Da hätte ich wirklich viel mehr erwartet und fand es äußerst unpassend.

Dennoch habe ich was Neues über Robin gelernt und ich konnte ein bisschen besser ihren Charkter und ihre Handlungen verstehen. Comoran Strike mag ich eh sehr gerne, weil er nicht nur ein sehr guter Ermittler ist, sondern auch eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat und sein Charakter ein bisschen mehr ausformuliert ist.

Hinzu kommt, dass es für mich Romane gibt, die als Buch funktionieren und Romane, die besser als Hörbuch funktionieren. Beispielsweise habe ich Daniel Kehlmanns »Die Vermessung der Welt« zunächst gehört und fand es schrecklich. Wenig später habe ich es dann noch mal gelesen und es ist wundervoll, großartig und sehr zu empfehlen. Die Bücher von Jan Weiler (»Kühn hat zu tun«) höre ich auf der anderen Seite immer, weil er sie selbst so gut spricht und dabei so unterhaltsam ist.

Den ersten und dritten Teil der Krimireihe rund um Comoran und Robin habe ich gelesen, den zweiten im letzten Sommer gehört. Ich musste leider feststellen, dass es als Hörbuch viel besser funktioniert. Hier vergeht die Zeit viel schneller, ist fast kurzweilig und wird vom tollen Dietmar Wunder gesprochen. Weitere Teile werde ich in jedem fall hören.

FAZIT

Der dritte Teil aus dieser Reihe war zwar spannend, gerade in Bezug auf die Vergangenheit der Protagonisten. Dennoch konnte mich der Inhalt bzw. der Fall selbst nicht richtig überzeugen. Es wurde sehr langatmig erzählt und einzelne Charaktereigenschaften fand ich äußerst fragwürdig.

RAHMENDATEN

Autor/Autorin: Robert Galbraith bzw. Joanne K. Rowling
Gebundene Ausgabe: Februar 2016 - 22,99€ (Blanvalet) - ISBN 978-3-7645-0574-5
Umfang: circa 670 Seiten
Hörbuch: Februar 2016 - 24 ,99€ (Random House Audio) - ISBN 978-3-8371-3357-8
Originalsprache: Englisch (Career Of Evil)
Nominierungen/Preise: ---

An dieser Stelle danke ich dem Blanvalet Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

20. Juni 2016

Montagsfrage: »Magst und liest du Gedichte und Gedichtbände?«

John Maynard!
»Wer ist John Maynard?"«
»John Maynard war unser Steuermann,
aushielt er, bis er das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard. [...]«

– Theodor Fontane –


Erst vor ein paar Tagen habe ich abends versucht, die Ballade »John Maynard« von Theodor Fontane aus dem Gedächtnis aufzusagen. Es hat zwar nicht zu 100 Prozent funktioniert, aber ich konnte mich an relativ viel erinnern - ist ja auch eines meiner Lieblingsgedichte. Wie Buchfresserchen eine besondere Beziehung zur Ballade »Der Erlkönig« hat, habe auch ich eine besondere Beziehung zu »John Maynard«. Es ist so dramatisch, heroisch, aufopferungsvoll und traurig, dass ich beim Lesen immer noch eine Gänsehaut bekomme.

Ich habe als Schülerin oft im »Großen Balladenbuch« gelesen und mochte es sehr, da Balladen mit ihrer Längen ausgezeichnete Geschichten erzähle konnten. Ich war aber zugleich fasziniert von Gedichten als auch genervt. Das liegt daran, dass wir der Schule nicht einfach so Gedichte gelesen haben, sondern sie wurden tot analysiert - die Schönheit der Sprache war eher zweitrangig.


Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten. [...]
– Gottfried Benn – 

Und dann kamen die expressionistischen Gedichte von Gottfried Benn - er war nicht nur Dichter, sondern auch Arzt und seine Gedichte (bis 1933, nach 1945 haben seine Gedichte einen ganz anderen Ton und sind eher romantisch) haben mich von der ersten Begegnung an fasziniert, weil sie so offensiv mit de Tod, Verwesung und Krankheiten umgehen. Das passte zur Zeit und zur dreckigen Großstadt, die heute noch genauso dreckig ist - ich liebe sie nichtsdestotrotz.

Heute mag ich Gedichte immer noch sehr gerne, aber ich lese sie fast nie - was unglaublich schade ist. Wenn ich mein Bücherregale umsortiere, blättere ich immer in Pablo Nerudas »In deinen Träumen reist dein Herz«, was ich unglaublich schätze, da ich seine Gedichte und vor allem seine Sprache liebe. Generekk mag ich lateinamerikanische Lyriker sehr gerne.

Hinzu kommt, dass Gedichtbände meistens sehr schön illustriert sind und aufwendig hergestellt sind, was im Buchregal wunderbar aussieht und ein Augenschmaus ist. Gerade für Kinder versuchen die Verlage, wie der Kindermann Verlag, schön illustriert Ausgaben herauszubringen, da kurze Gedichte und Balladen der ideale Einstieg in Literatur ist - eine kleine abgeschlossene Geschichte.

Aber für Lyrik braucht man Zeit und muss in der Stimmung sein, darum könnte ich nicht ein Gedichtband innnerhalb einer Woche lesen, sondern immer mal blättern und sich treiben lassen. Vielleicht sollte ich einfach mal ein kleinen Band auf meinen Nachttisch legen und abends zum Einschlafen immer eins lesen.

Also ja, ich liebe Lyrik, lese sie aber sehr unregelmäßig - das sollte sich schleunigst ändern.


Rechte: Buchfresserchen 

13. Juni 2016

Montagsfrage: »Machen Lesespuren im Buch ein Buch für Dich wertvoller oder minden sie den Wert?«



Lange Zeit habe ich über Annotationen, Unterstreichungen und Besitzvermerke ähnlich gedacht wie Buchfresserchen. Ich habe es wirklich verachtet, wenn nur ein einzelner Knick im Buch war und konnte mir gar nicht vorstellen, Anmerkungen an die entsprechenden Textstellen zu setzen. In dieser Zeit habe ich auch sehr ungern Bücher verliehen - allerdings hatte ich auch noch nicht so viele.

Dann habe ich allerdings vor circa neun Jahren »Ex Libris - Bekenntnisse einer Bibliomanin« von Anne Fadiman gelesen. In diesem dünnen Büchlein beschreibt sie, wie sie zum Lesen gekommen ist und wie schwierig es war die Bibliotheken von ihrem Mann und ihr zusammen zu legen. Einen großen Teil der Bekenntnisse widmet sie dem Umgang mit Büchern. Sie liest Bücher oft mehrmals und liebt es dabei ihre Bemerkungen wieder zu entdecken, zu ergänzen und Bemerkungen von Freunden zu lesen. Denn eins ist uns allen klar: Man liest natürlich ein Buch mit Anfang 20 anders als mit 50. Außerdem knickt sie, leiht aus und spricht gerne darüber. Nach dem Lesen dachte ich über mein Umgang mit meinen gekauften Büchern nach und musste eingestehen, dass ich falsch lag. Indem es gelesen aussieht und Anmerkungen am Text stehen, stelle ich einen Bezug zum Buch und der Zeit, in dem ich es gelesen habe, her. Ich verkaufe auch meistens meine Bücher nicht, so ist es egal, wie sie aussehen.

Bücher werden von mir überall mit hingenommen, sie liegen überall rum und sehen nach dem Lesen auch dementsprechend aus. Das Cover und die Rückseite haben Ecken, sind angestoßen und der Rücken (bei Taschenbüchern) hat kleine Rillen. Früher hätte mich das enorm nervös gemacht, aber heute finde ich es toll, denn so habe ich eine eigene Geschichte zum Buch aufgebaut.

Ich liebe es auch, wenn ich Bücher mit Widmung geschenkt bekomme - der Schenkende denkt sich immer etwas beim Schenken und das finde ich toll. Ich schreibe in Bücher, von wem ich es geschenkt bekommen habe. Ich knicke Seiten, auf denen interessante Sätze stehen und makiere, wenn ich keinen Klebezettel in der Nähe habe. Gerade für Rezensionen hilft mir das enorm, denn ich bin richtig schlimmm vergesslich und könnte ohne meine Anmerkungen keine fundierten Besprechungen schreiben.

Hinzu kommt, dass ich bei gebraucht gekauften Büchern immer hoffe, dass es eine Widmung enthält oder Textstellen unterstrichen sind. Oft habe ich schon Unterstreichungen gesehen, die keine Sinn ergeben haben und ich habe mich gefragt, was die Leserin sich dabei gedacht hat. Meiner Meinung nach kommt das oft bei Büchern vor, die in irgendeiner Weise Schullektüre waren - ich kann da einfach drüber lesen, es zaubert ein Lächeln in mein Gesicht. Erst letztens habe ich ein Buch von meiner Mama gelesen, dass diese in der Schule gelesen hat und sie hat natürlich Textstellen unterstrichen - das war so cool zu sehen und die haben auch Sinn ergeben...


Rechte: Buchfresserchen