18. Juli 2016

Montagsfrage: »Bist du in einem Buchclub?«

Montags bin ich immer ganz besonders aufgeregt, weil eine neue Frage von Buchfresserchen erscheint. Es ist fast schon ein kleines Ritual geworden: nachsehen, freuen, nachdenken und dann schreibe ich meine (meist langen) Gedanken zum Thema nieder. So kann die Woche immer wunderbar beginnen....

...vor einiger Zeit bat sie uns, die Beantworterinnen, dann Fragen rund um das Thema Literatur einzureichen und das habe ich natürlich auch sehr gerne getan. Und so schaue ich heute ganz entspannt auf die Seite und siehe da, eine meiner eingereichten Fragen soll heute beantwortet werden: Bist du in einem Buchclub?

Ja, ich bin in einem privaten Buchclub und ich liebe diesen sehr! Vor circa fünf oder sechs Jahren haben zwei Freundinnen und ich beschlossen zusammen Bücher zu lesen, jeder sollte zwei literaturbegeisterte Menschen dazu einladen. Zum ersten Austausch kamen dann natürlich viel mehr Leute, über Ecken hatten noch Freunde von Freunden davon gehört. In der ersten Runde haben wir »Lieblingsbücher« gelesen und beim ersten richtigen Buchclub waren wir schon ein bisschen weniger Menschen. Das erste Buch war »Schachnovelle« von Stefan Zweig, was ich mir ausversehen in Großdruck gekauft habe.

Relativ schnell ist die Anzahl an Mitgliedern gesunken, obwohl wir uns bis heute nur einmal im Monat treffen. Das fand ich am Anfang wirklich sehr schade, aber mehrere Jahre lang waren wir ein fester Kern mit sechs Mitgliedern. Seit rund zwei Jahren haben wir auch ein siebtes festes Mitglied in unserer Mitte.

Da wir relativ wenig sind, schaffen wir circa ein literarisches Thema in einem Jahr. Wir treffen uns immer bei derjenigen, die das Buch ausgesucht hat - manchmal gibt es Kuchen, manchmal gibt es Sushi und meistens gibt es Alkohol. Wir haben nämlich eine Regel: Wer das Buch nicht zu Ende gelesen hat, muss Sekt mitbringen. Wenn man es nicht schafft, dann ist das aber auch nicht so dramatisch - das Leben kommt eben manchmal in die Quere. Da wir das alle schon so lange machen, sind wir (wenn nicht schon vorher) auch Freunde geworden und verbringen gerne Zeit miteinander. Das Buch steht im Mittelpunkt, aber dann driften wir oft am Ende noch ab, unterhalten uns oder spielen was - lustig ist es immer.

In der gesamten Zeit haben wir schon 50 Bücher mit rund 165.00 Seiten gelesen. Nach der ersten Runde haben wir unter anderem Bücher zu den Themen »Verfilmte Bücher« (und die Filme waren größtenteils furchtbar), »Nobelpreisträger«, »Kinder- und Jugenbücher« und »Überschätzte Bücher« gelesen.

Wir sind uns heute immer noch nicht einig, ob Michel Houellebecq ein guter Schriftsteller ist, haben uns gestritten, ob man Thomas Manns »Der Tod in Venedig« wirklich gelesen haben muss und fragten uns einige Male warum die Übersetzungen manchmal so grauenvoll sind, dass sie den Lesefluss so stören, dass man keine Lust mehr hat.

Aber wir waren uns auch einig, wie toll »Der goldene Kompass« ist, wie langweilig »Die Liebe in Zeiten der Cholera« zu lesen ist (obwohl die Kurzgeschichten wundervoll sind) und dass Jenny Erpenbeck es einfach mal so richtig drauf hat, zu schreiben.

Meistens fange ich zu spät an zu lesen, weil ich zwischendurch andere Bücher lese, aber erstaunlicherweise schaffe ich es dann meistens rechtzeitig fertig zu werden...

...aktuell lesen wir in der Runde »Autorinnen« ein Roman von Simone de Beauvoir und ich müsste langsam mal anfangen.

Ich mag diesen Austausch einfach sehr gerne, weil ich zum einen neue AutorInnen kennen gelernt habe, die ich sonst niemals gelesen habe. Zum anderen konnte ich meinen Horizont erweitern und ich habe Bücher aus meinem Regal gelesen, die schon Jahre ungelesen standen und ich nie wusste, wie toll diese sind.

An dieser Stelle muss ich einmal meinem Buchclub für die vielen tollen Bücher, für die Muffins und die Diskussionen danken: Merci E., J., J., L., N., V.!

Rechte: Buchfresserchen

Kommentare:

  1. Huhu :)

    Oh Mann. Ich bin so neidisch. Ich will auch sowas! Das klingt einfach nur traumhaft. Ich hoffe, dass mein erster Besuch eines Buchclub-Treffens auch ein voller Erfolg wird. Der steht nämlich zufällig nächsten Monat an, allerdings ist das Ganze nicht privat, sondern wird von einer Buchhandlung veranstaltet. Ich drücke mir selbst die Daumen, dass ich mich dort wohlfühle und ähnlich interessante Diskussionen und Gespräche führen kann, wie die, von denen du erzählst. :)

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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  2. Eine tolle Frage, die Du Dir da ausgedacht hast, vielen Dank dafür. Und Dein Beispiel, wie ein Buchclub ablaufen kann, macht einem ja richtig Lust darauf, es auch einmal zu probieren.
    LG Gabi

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  3. Hi Lisa,

    deine Variante klingt schon wirklich nachahmungswert! Aber dennoch bin und werde ich wohl in naher Zukunft keinem Buchclub beitreten.
    Mein Beitrag :o)

    Beste Lesegrüße
    FiktiveWelten

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  4. Vielen Dank für die tolle Frage und für deine eigene ausführliche Antwort. Tatsächlich kam bei mir ein bisl Neid hoch - hier gibt es keinen Buchclub und ich selbst kenne kaum lesebegeisterte Menschen, also im "realen" Leben. Aber die Idee, einfach mal mit Freunden von Freunden und vielleicht deren Freunden, so dass, wenn es gut läuft eine "Stammleserschaft" übrig bleibt gefällt mir gut.
    Liebe Grüße,
    Natalie

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  5. ganz tolle Schilderung! Das macht Lust darauf, es auszuprobieren.

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  6. DAnke für diesen Einblick! Ich habe schon Versuche erlebt, einen Club zu gründen, aber das verlief im Sande. Ich glaube, es braucht jemanden, der sich dahinter stellt und einem das Gefühl gibt, dass das WIRKLICH gut geht.

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